Quo vadis, Zeitarbeit? Warum es so schwer ist, alte Zöpfe abzuschneiden

Wenn man einmal die Stimmen zur „Groko“ außen vor lässt, wird unter den Zeitarbeitsunternehmen immer noch über die Auswirkungen der aktuellen AÜG Reform kontrovers und hitzig diskutiert.

Jetzt, da nach dem Jahreswechsel die ersten Equal Pay Anwendungsfälle in Reichweite kommen und auch die Begrenzung der Überlassungsdauer nicht mehr nur theoretisch ist, merken viele, dass es die letzte „Groko“ mit ihren Ankündigungen wirklich ernst gemeint hat, nämlich der Zeitarbeit sehenden Auges die Arbeit zu erschweren.

Das erkennen nun langsam auch – endlich muss man sagen – die Kundenunternehmen, die anfangen, sich mit den zur Verfügung gestellten Unterlagen und Fragebögen ihrer Zeitarbeitslieferanten auseinanderzusetzen. Wie man es aber dreht und wendet, die gesamte Reform stellt sich in dem Moment, in dem sie anfängt, tatsächlich in der Praxis anzukommen, weiterhin als ein komplett unnötiges Ärgernis dar.

Genauso entscheidend für die künftige und weitere Ausrichtung und Kommunikation der Branche ist aber das Verständnis darüber, dass sich durch diese in der „GROKO“ beschlossenen Maßnahmen ein Ziel manifestiert hat, nämlich die Zeitarbeit einzuschränken. Dieser Leitgedanke bei der Ausarbeitung der Reform lässt erkennen, dass wieder die alten Vorurteile bedient wurden.

Man muss sich daher eingestehen, dass die positiven Entwicklungen des gesamten Arbeitsmarktes aber vor allem der Personaldienstleistungsbranche nicht in den Köpfen aller Marktteilnehmer und Politiker angekommen sind und wir weiterhin mit einer nicht den Realitäten entsprechenden Außenwahrnehmung zu kämpfen haben.

Das liegt zu einem Gutteil sicher daran, dass unsere Branche seit jeher als Faustpfand in Verhandlungen politischer Lager verwendet wird. Gleichsam sind wir ein „Feindbild“, das sich leider nur zu schnell aktivieren lässt.

Wie oft wird uns die Arbeitgebereigenschaft abgesprochen und so getan, als arbeiteten in anderen Unternehmen keine Mitarbeiter für einen Eigentümer ob nun juristische oder natürliche Person –  und gäbe es also keinen Unternehmer, der aus Gründen eines betriebswirtschaftlichen Antriebs handelt.

 

Wie dem auch sei, die bis dato ungeklärte Frage bleibt, wie sich die Branche aus diesem Dilemma befreien kann. Vielfach wird nach den Verbänden gerufen, die mittels teurer Imagekampagnen doch bitteschön ein tolles, neues Bild in der Öffentlichkeit zeichnen sollen. Die Vergangenheit zeigt aber, dass sich die festgefahrenen Meinungsbilder mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht zeitnah ändern lassen.

Im Zuge der gesetzlichen Änderungen und Belastungen für unsere Branche geht vielmehr zu häufig unter, dass die Unternehmen der Branche selbst am meisten beitragen können, wenn es um die Verbesserung des Images geht.

Getreu dem Motto „Tu Gutes und Sprich darüber“, sollte natürlich zunächst der Weg einer Professionalisierung gegangen werden, der über kurz oder lang auch dazu führen dürfte, dass sogenannte schwarze Schafe weniger präsent sind und wir mit Gesetzestreue und Redlichkeit und nicht mit Lohndumping oder Schwarzarbeit in einen Topf geworfen werden.

Dazu gehört, dass sich in einer wandelnden Arbeitswelt heutzutage eigentlich jeder mit Themen der Qualitätskontrolle aber auch grundlegenden Marketingmechanismen auseinandersetzen sollte.

Wenn man bedenkt, wie viele Zeitarbeitsunternehmen es in Deutschland gibt und wie wenige eine wie auch immer geartete Öffentlichkeitsarbeit betreiben, wird klar, wie viel Potential hier verschenkt wird. Wer interessiert ist, möge sich nur einmal die Auftritte bei Twitter, Facebook oder in den einschlägigen Bewertungsportalen anschauen.

Hier wird dann schnell dagegen argumentiert, dass sich ein Engagement in diesem Bereich eben nicht schnell und direkt in Umsatz oder Mitarbeiterzahlen niederschlägt und es doch „auch so klappt“.

Aber das ist deutlich zu kurz gegriffen. Denn auf der anderen Seite jammert auch fast jeder über fehlenden Bewerber, versäumt es dann aber, diese auch an den richtigen Stellen abzuholen.

Dabei ist ein Engagement gar nicht zwangsläufig teuer und aufwendig. Gerade die Verbände leisten hier eine solide Vorarbeit, auf die man häufig aufbauen kann.

Tatsache ist aber, dass jede geglückte Übernahme, jeder zufriedene Mitarbeiter und jede geglückte Integration, über die nicht öffentlich gesprochen wird, eine verschenkte Möglichkeit der Meinungsbildung ist.

Denn machen wir uns nichts vor, Wiederholungen alleine sind zwar kein Argument, aber sie helfen, damit die positiven Beispiele guter Zeitarbeit in den Köpfen bleiben. Dann klappt es auch auf den Köpfen und alte Zöpfe werden endlich abgeschnitten!

In diesem Sinne, tun Sie Gutes und sprechen Sie auch darüber!

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