Die (HR) Welt ist im Wandel – oder?

Allenthalben wird darüber gesprochen, dass die Welt im Wandel ist. Wie stark das wahrgenommen oder überhaupt akzeptiert wird, hängt dabei stark vom eigenen Blickwinkel aber vor allem auch dem eigenen Umfeld ab. Erst recht haben der Arbeitsplatz oder die eigene Tätigkeit einen entscheidenen Einfluss auf diese Bewertung.

Wer im HR Bereich tätig ist, wird dieser Einleitung in jedem Fall zustimmen. Zu klar sind die Veränderungen spürbar, die uns in den letzten Jahren getroffen haben. Was mit der Verbreitung des Internets begann, hat über den Siegeszug des Mobiltelefons – bzw. Smartphone – bis hin zum Fachkräftemangel, zu einem fast kompletten Wechsel in der Arbeitswirklichkeit von Personalern oder Rekrutern geführt.

Wurden früher Bewerbungen stapelweise sortiert-  bzw. aussortiert, müssen sich heute Unternehmen bei den Bewerbern sprichwörtlich bewerben. Die technische Revolution wurde begleitet von einer vor allem durch die demographische Entwicklung befeuerten Verknappung der Ressource Bewerber (m/w/d). Auch wenn hier eine recht heterogene Verbreitung und Wahrnehmung vorliegt, wird kaum jemand diese grundlegende Entwicklung noch leugnen können.

Die Frage bleibt, wie sich die HR Welt künftig darauf einstellt und wie sie mit den kommenden Entwicklungen umgeht.

Bis heute kann man den im erweiterten HR Bereich tätigen Unternehmen oder Personen sicher keine Untätigkeit vorwerfen. Es werden immer neue Strategien erarbeitet und was technisch möglich ist, wird auch angewendet. Verschiedene Webseiten oder Apps suchen nach neuen Wegen in der Rekrutierung und Neuausrichtung des gesamten Rekrutierungsprozesses.

Insgesamt kann man eine generelle Verschlankung der Prozesse beobachten. Die Kommunikation wird kürzer, zielgerichteter und allenthalben werden schnellste Reaktionszeiten erwartet. Das hängt sicher mit einer Verjüngung der Zielgruppen zusammen. Die Generationen sind mit der zunehmenden Digitalisierung eben immer schneller aber auch schnelllebig geworden. Aktionen erfordern umgehende Reaktionen, Feedback und im Idealfall Belohnungen.

Nun ist die Anpassungsfähigkeit von Menschen generell trotzdem nicht immer in der Lage mit den übrigen Enwticklungen Schritt zu halten. Das führt zu der Situation, dass viele Dinge technisch bereits möglich sind aber trotzdem keine flächendeckende Verbreitung finden.

Insofern befinden wir uns in einer Umbruchphase. Denn es arbeiten die unterschiedlichen Generationen neben- und miteinander, die teilweise noch Wählscheibentelefone kennen oder anders herum keine Welt mehr ohne Google oder Facebook.

Insofern dürften sich viele der heutigen Anpassungschwierigkeiten durch Zeitablauf erledigen.

Wenn man nun diese technischen Änderungen ausblendet, wird schnell klar, daß sich an den grundlegenden Zusammenhängen doch nicht so viel geändert hat. Denn viele technische Errungeschaften haben die Kommunikation beschleunigt und Zeit für andere Dinge geschaffen. Doch gerade im HR bzw. Personalbereich geht es immer noch um das Miteinander von Menschen. Von daher schaffen sämtliche technische Plattformen bisher nur eine Verkürzung der Kommunikations- und Entscheidungswege.

Die Frage, ob jemand in ein Team passt oder nicht, läßt sich im Moment immernoch nicht fehlerfrei von Menschen oder Maschinen entscheiden. Wenn es eines Tages soweit sein sollte, dürfte eine Großteil der Rekruter arbeitslos werden. Andererseits fragt man sich, warum es dann auf anderer, menschlicher Ebene, z.B. der Paarvermittlung bzw. dem Onliendating trotz ausgereifter Matchingprozesse immer noch Menschen gibt, die keinen Partner finden. Auch die Scheidungszahlen und die Anzahl der Singlehaushalte nimmt ständig zu und das trotz sämtlicher Anbahnungsinstrumente.

Von daher ist es sicher so, dass neben den Algorithmen immer auch weitere Faktoren eine Rolle spielen und sich die gesamte Gesellschaft dem Einfluss der Umwälzungen nicht entziehen kann. Gerade die jüngere Generation sehnt sich aufgrund der vielen, vielleicht zu vielen, Möglichkeiten vielleicht nach einer Orientierung und versteht die die technischen Mittel gar nicht so sehr als unumkehrbare Zuspitzung oder Ausradierung von Hergebrachtem. Vielmehr wird genutzt was nutzt, ohne allerdings grundlegende Zusammenhänge komplett zu verändern.

Hier scheint tatsächlich teilweise mehr Schein als Sein vorzuliegen, da die Digitalisierung zwar in aller Munde und wichtig ist, aber eben dann doch nicht über allem steht.

So bleibt im Ergebnis nur den HR Verantwortlichen, Rekrutern oder Personalern zuzurufen: “Seid offen für Neues, nehmt Änderungen an und versucht das Beste draus zu machen.” Ihr könnt Euch aber gleichermaßen sicher sein, dass menschliche Auswahl, Führung und Meinung, für  lange Zeit weiterhin wichtig bleiben werden. Das selbst dann, wenn ein Grotßteil der Kommunikation via WhatsApp läuft.

Das ist dann zwar schlecht für die schriftliche Ausdrucksfähigkeit der Benutzer aber Hey, “Alexa, wie schreibt man Kommunikation?”.

 

Related Posts

1 comment

Super geschriebener und informativer Artikel :-). Eine sehr gute Aufstellung. In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen

Ihr Kommentar